Der „Tag der Berufsbildung“: Eine sehr gute Vernetzungsveranstaltung der Abteilung Bildungspolitik & Bildungsarbeit des DGB Bundesvorstandes

29. Oktober 2011

Als Teilnehmer am Tag der Berufsbildung vom 27.-28. Oktober 2011 in Berlin möchte ich einen kurzen Bericht für alle Interessierten am Thema abgeben. Ob Ehren- oder Hauptamtliche/r in den Ausschüssen der „Beruflichen Bildung“ eine Beteiligung an diesem Vernetzungs- und Austauschtreffen kann ich jederzeit empfehlen. Meine anfängliche Skepsis hat sich am Ende der 2 Tage bei denen über 100 Teilnehmer_innen aus der gesamten Bundesrepublik dabei waren, in absolute Begeisterung gewandelt. Neben Workshops gab es einige politische Reden auf die ich kurz eingehen möchte:

 Politische Kernbotschaften der 2 Tage:

Der Abteilungsleiter beim DGB Bundesvorstand Matthias Anbuhl bedankte sich am Anfang der Veranstaltung bei den vielen aktiven Gewerkschafter_innen und würdigte damit deren harte Arbeit der letzten 12 Monate. An die Politik aber auch an die Kammern gewandt, appellierte Matthias, das Konsensprinzip in der beruflichen Bildung wieder stärker zu forcieren, was angesichts auch meiner Erfahrungen dringend Not tut. 

Ingrid Sehrbrock, die stellvertretende DGB Vorsitzende ging in ihrer Begrüßungsrede vor allem auf das Hauptthema „Migration & Bildung ein. Mit statistischen Zahlen wies sie nach, dass Kinder & Jugendliche mit Migrationshintergrund noch weit schlechter gestellt sind als die Gleichaltrigen ohne und appellierte an alle Akteure, dass hier Kraft aufgewandt werden muss um diese unhaltbare Situation zu ändern. Wichtigster Appell meines Erachtens nach: Akzeptanz dafür, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist und vor allem sein muss, angesichts der Fachkräftenachfrage der nächsten Jahrzehnte.

Wichtige Zitate:

„Ohne Bildung keine Integration“

„Vorurteile vor allem die Eigenen sind dringend weiter abzubauen“

„Damit Bildung bezahlt werden kann, ist die Einnahmesituation des Staates dringend zu erhöhen, vor allem durch eine Besteuerung derjenigen die genügend besitzen.“

„In der Weiterbildung der Arbeitnehmer_innen muss noch mehr Bewegung rein“

„In der frühkindlichen Bildung gilt: Das Geld gehört in die Infrastruktur. Eltern die ihre Kinder nicht in die Kita bringen, dürfen nicht noch zusätzliches Geld bekommen!“

Prof. Dr. Maria Böhmer, die Staatsministerin und Beauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration stellte vor allem den Nationalen Integrationsgipfel in den Mittelpunkt ihrer Rede. Positiv ist zu sagen, dass sie sich einer Diskussion mit dem Plenum stellte. Da sie Gewerkschaften und Betriebsräte lobte für die Arbeit gegen Rassismus habe ich in der Debatte deutlich gemacht, dass die „Extremismusklausel“ der Bundesregierung die sie ja auch vertritt, unsinnig ist und uns schadet und einschränkt. Leider machte ihre Antwort deutlich, dass sie genau das nicht versteht. Sie betonte weiter die Wichtigkeit der Bekämpfung von Rassismus. L

Zitate:

„Die ersten die vor 50 Jahren auf die Migrant_innen zugegangen sind waren die Betriebs- und Personalräte der Gewerkschaften…“

„Sprache ist die wichtigste Komponente für eine gelingende Integration“

„Wir brauchen starke Netzwerke um dem Fachkräfteproblem beizukommen“

„Gesetz zur Anerkennung von ausländischen Abschlüssen bietet gute Chance aber der Dschungel muss gelichtet werden“

„Wir brauchen den Rechtsanspruch auf Anerkennung von Abschlüssen“

„zentrale Stelle zur Anerkennung der ausländischen Abschlüsse wird die IHK in Nürnberg sein“

Rene Rudolf, der Bundesjugendsekretär des DGB stellte den Ausbildungsreport der DGB Jugend vor. In einem erfrischenden Vortrag berichtete Rene sehr eindrucksvoll die Erkenntnisse des mittlerweile 6. Ausbildungsreportes. In der anschließenden Debatte wurde deutlich, wie stark der Report bundesweit angekommen ist und genutzt wird.

Zitate:

„Der überwiegende Teil der Azubis ist mit der Ausbildung zufrieden“

„Es gibt aber sehr krasse Ausreißer wie beispielsweise den Hotel- und Gaststättenbereich“

„Jeder 10. Azubi muss ausbildungsfremde Tätigkeiten verrichten“

 „1/3 der Azubis fühlen sich im Betrieb komplett unbetreut“

„40,6 % machen regelmäßig Überstunden“

„70 % machen Überstunden im HoGabereich und zwar im Schnitt 10 h pro Woche…“

„Jeder 4. weiß dass er übernommen wird, 66 % wissen es nicht.“

„Betriebsgröße und Mitbestimmung spielen eine wesentliche Rolle bei der Qualität der Ausbildung“

Der Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), Dr. Friedrich Hubert Esser hielt einen sehr kurzweiligen und vor allem generellen Vortrag. Er bedankte sich vor allem bei den Vertretern des DGB im BIBB Hauptausschuss und hob die kritische konstruktive Arbeitsweise von Hermann Nehls und Thomas Gießler hervor. Ich habe ihn am Schluss in der Debatte gefragt, wie er es bewertet, dass das Handwerk lieber eine Imagekampagne für 50 Millionen Euro macht anstatt die Ausbildungsqualität zu verbessern. Seine Antwort war deutlich. Er findet diese Kampagne wichtig, aber auch die Qualität der Ausbildung im Handwerk findet er verbesserungswürdig.

–          „Wir brauchen neben dem Girlsday auch einen Boysday“

–          „Die berufliche Bildung muss auf das gleiche Niveau wie das Abitur im DQR. Hier müssen wir gemeinsam weiter dran arbeiten“

–          „Das Prinzip der Berufsausbildung ist: Wir fragen nicht woher du kommst, sondern wohin du willst“ (das fand ich persönlich sehr ordentlich)

–          „Sozialpartner erarbeiten im Konsens die Essentials der Beruflichen Bildung“

Was mir noch wichtig erscheint:

  1. Joachim Gerd Ulrich, den „Datenknecht“ vom „BiBB“ kennen gelernt. Bei ihm gibt es alle Daten auch auf die einzelne Region runter gebrochen. Einfach im BIBB melden…
  2. Die Moderatorin Petra Schwarz (ursprünglich aus Erfurt) ist sehr zu empfehlen. Kontakt gibt’s bei mir.
  3. Wir brauchen dringend eine Vernetzung der Berufsbildner auch in Thüringen. Vor allem die alternierenden Vorsitzenden der einzelnen Gremien werde ich ab jetzt aller 3 Monate einladen.
  4. Die IG Metall macht einen Newsletter „Berufsbildung aktuell“ den ihr über die IG Metall auch als Nichtmetaller beziehen könnt: thomas.ressel@igmetall.de Thomas ist beim Vorstand der IG Metall für Bildungs- und Qualifizierungspolitik zuständig
  5. Die Einordnung des Abiturs über der Beruflichen Bildung per Beschluss durch die Kultusministerkonferenz wird uns beim DGB weiter beschäftigen. Wer Ideen hat oder uns unterstützen möchte, kann sich bei mir melden. Wir machen in nächster Zeit in dem Zusammenhang einiges bundesweit abgestimmt.

Gremienbetreuung: Für die Arbeitnehmerseite bin ich in folgenden „Ausschüssen der beruflichen Bildung“

1. Landesausschuss für Berufsbildung (alternierender Vorsitzender)

2. BBA der IHK Erfurt (alternierender Vorsitzender)

3. BBA´s der HWK und IHK zu Ostthüringen (Mitglied)

Wer mehr über meine Arbeit im Bereich Berufliche Bildung wissen will oder mich sogar unterstützen möchte, kann sich jederzeit melden.

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Erfurter Parteitag: Das neue Parteiprogramm ist beschlossen

23. Oktober 2011

Der Erfurter Parteitag hat heute um 10.59 Uhr das neue Parteiprogramm mit 503 Stimmen bei 4 Gegenstimmen und 12 Enthaltungen beschlossen. Das ist eine Zustimmung von 96,9 Prozent. In den nächsten Wochen wird das neue Parteiprogramm durch einen Mitgliederentscheid bestätigt werden. Ich werbe dafür, dass möglichst viele Mitglieder dem Programm im Mitgliederentscheid ihre Zustimmung geben. Es ist ein sehr ordentliches Programm geworden und die Debatten und die Zeit haben sich gelohnt…

 


Erinnerung an den Aufruf – Linkes Fairplay

3. Oktober 2011

 

Angesichts der nicht enden wollenden öffentlichen Debatte über die Partei auch durch Thüringer Amts- und Mandatsträger (ja nur männlich) unterschreibe ich den Aufruf Linkes Fairplay und fordere zur Umsetzung auf. Wer den Aufruf lesen und unterschreiben will kann auf die Überschrift klicken und kommt direkt auf die Seite.  Als Vertreter der Partei die LINKE

Fair Play: Mannschaftsspiel statt Medienmacht

Sieben goldene Spielregeln für eine demokratische und lebendige LINKE

1. Innerparteilicher Streit sollte sachlich geführt und überwiegend in den dafür vorgesehenen Gremien sowie parteiinternen bzw. parteinahen Medien geäußert werden. Interviews und Beiträge in den großen Massenmedien sollten vor allem für Werbung für die Positionen der LINKEN genutzt werden.

2. Persönliche Beleidigungen passen nicht zu einer linken Partei und schaden unserem Erscheinungsbild.

3. Der Mitgliederentscheid bzw. der Parteitag ist bei Grundsatzentscheidungen der Partei die geeignete und höchste Form der innerparteilichen Willensbildung.

4. In heißen Wahlkampfphasen, die ein geschlossenes Erscheinungsbild der Partei erfordern, ist parteiinterner Streit zurückzustellen.

5. Über interne Diskussionsprozesse und andere sensible Vorgänge ist die Öffentlichkeit nicht ohne entsprechende Beschlüsse bzw. Zustimmung der Betroffenen zu informieren.

6. Juristische oder satzungsrechtliche Maßnahmen gegen Mitglieder der LINKEN sind grundsätzlich zu vermeiden. Bei Konflikten sind zunächst die innerparteilichen Gremien und Schlichtungsinstanzen zu bemühen. Vermittlungsbemühungen der Parteiorgane sollten unterstützt werden.

7. Sitzungen von Gliederungen und innerparteilichen Zusammenschlüssen der LINKEN sollten grundsätzlich mindestens eine Stunde der Debatte aktueller politischer Themen widmen, um dem Anspruch der Mitglieder auf politische Bildung zu entsprechen. DIE LINKE ist eine lebendige Partei kein Satzungs- oder Wahlverein.

Diese Spielregeln sollen niemanden mundtot machen sondern Demokratie in der LINKEN fördern: Ohne Satzungsänderungen, Schiedsgerichte und Parteiausschlüsse!